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Premiere: Zwei Gesamtsieger in Brünn
Die Frage im Vorfeld des 5. Laufes der ESL Touring Car Championship in Brünn lautete wie schon bei den Rennen zuvor:
Was muss passieren, damit die Dominanz von Nolimit Motorsport gebrochen wird?
Die Voraussetzungen hätten besser nicht sein können: Das tschechische Hecktriebler-Eldorado favorisierte die BMW-Vertreter Marcel Wernicke, Frank te Wildt und Norman Tuchel, die darüber hinaus auch allesamt weniger als 30kg an Bord hatten. Doch auch Nolimit Motorsport hatte ein heißes Eisen im Feuer: Marcel Tie strotzte im Fahrerlager nur so vor Tatendrang, nachdem er durch den unglücklichen Disconnect in Hockenheim auf dem Norisring die Rennen in Grid 2 nach Belieben dominierte und mit nur 5kg Zuladung dem Münchener Traktionswunder in Grid 1 ordentlich zusetzen wollte. Ansonsten war Nolimit jedoch durch Erfolgskilos geschwächt, so dass mit Abwechslung auf dem Podium zu rechnen war.
Das Qualifying wurde dann zur BMW-Angelegenheit. Das Hin- und Herwerfen des Fahrzeugs in den flüssig zu fahrenden mittelschnellen Kurven des Masaryk Circuits lag insbesondere Marcel Wernicke von B-Free Alive Racing, der sich mit 2:07.393 die Pole Position sicherte. Notox-Pilot Frank te Wildt sorgte mit P2 (2:07.492) für sein bisher bestes Qualifying-Resultat, während Norman Tuchel seinen BMW 320si in 2:07.517 für Digital Motorsport auf die dritte Position stellte. Zur großen Überraschung aller stellte Thomas Kiefer seinen Volvo C30 mit 45kg Zuladung auf die vierte Position und nahm eine kleine Revanche für die verpasste Pole Position in Istanbul, indem er Marcel Tie um zwei Tausendstelsekunden in die dritte Startreihe verbannte. Auf den weiteren Positionen platzierten sich Georg Kiefer, Tino Graurock und Henrik Stoldt.

Lauf 1

Beim Start behielten die drei Musketiere in Münchener Diensten ihre Führung, doch bei der Anfahrt zu Turn 4 wurden das erste Mal die Positionen getauscht: Entschlossen stieß Norman Tuchel in eine Minilücke, die Frank te Wildt offen ließ und übernahm die zweite Position. Das sollte weitere Ereignisse auslösen, denn te Wildt verlor Schwung, was Marcel Tie zur Attacke auf der rechten und Thomas Kiefer zum Angriff auf der linken Spur bewog. Kiefer kam aus Turn 5 am besten heraus, musste aber versuchen, vor Turn 6 eine Fahrzeuglänge Vorsprung zu haben, da er sich auf der Außenbahn befand. Das klappte nicht, denn als er vor te Wildt einscherte, war er noch nicht vollständig vorbei. Das Resultat war eine kleine Kollision; T. Kiefer fiel auf P6, te Wildt auf P4 zurück. Marcel Tie profitierte und schnappte sich die dritte Position. Es war klar, dass Tie, wenn er noch weitere Positionen gut machen wollet, schnell an die beiden Führenden Wernicke und Tuchel heranfahren musste, denn mit fortlaufender Renndistanz sollte der reifenverschleiß eher die BMW bevorzugen. Er kam zwar an Tuchel heran, aber ein Überholmanöver gelang ihm nicht.
Der Dreierzug setzte sich vorne ab, dahinter führte te Wildt eine Gruppe an, die bis hin zu P12 ging. Am aggressivsten zeigten sich hier die Gebrüder Kiefer auf den Plätzen 6 und 7, die Tino Graurock aufs Heftigste unter Druck setzten. Doch weder Georg, noch Thomas fanden einen Weg am B-free Alive-Seat Leon TDI vorbei. Dadurch erlaubten sie Frank te Wildt die Flucht nach vorn,der nochmal auf den mittlerweile mit immer mehr Untersteuern kämpfenden Marcel Tie aufholen konnte, doch auch für den Notox-BMW gab es keinen Weg vorbei auf der eher überholfeindlichen Strecke. Der Gewinner des Rennens war aber mal wieder Michael Müller, der es schaffte, bis auf P8 nach vorne zu kommen und so ins reverse grid vorzustoßen. Der Sieg ging an Marcel Wernicke vor Norman Tuchel, Marcel Tie, Frank te Wildt, Tino Graurock, Thomas Kiefer, Georg Kiefer und Michael Müller.

Lauf 2

Die Pole Position half Michael Müller in Lauf 2 aber auch nicht mehr weiter. Ein Katastrophenstart ließ den Meisterschaftsführenden auf die fünfte Position zurückfallen. An der Spitze wurde die Sache zur Familienangelegenheit: Georg Kiefer setzte sich vor Thomas an die Spitze. Zum ersten Mal in dieser Saison gab es eine Doppelführung für die Scuderia Rapido. Die Leistung von T. Kiefer ist hoch einzuschätzen, da er mit 45kg Zusatzgewicht an den Start gehen musste.
Doch alle Fahrkunst half nichts gegen die brutale Power des Turbodiesels von Marcel Tie, der T. Kiefer einfach auf der Geraden stehen ließ und auf die zweite Position ging. Nun war Frank te Wildt an der Reihe, T. Kiefer unter Druck zu setzen. Zuvor jedoch machte G. Kiefer beim Beschleunigen den Berg hinauf einen Fehler, als er auf das Gras geriet und kurz die Kontrolle über seinen Volvo C30 verlor. Tie ging in Führung und sollte diese nicht mehr abgeben. Te Wildt setzte Eingangs der siebten Runde alles auf eine Karte und versuchte T. Kiefer in Turn 1 zu überholen, was jedoch in einer Kollision endete. Kiefer fiel auf P6, te Wildt auf P8 zurück. Die Positionen sammelte mal wieder Michael Müller auf, der nun hinter Tie und G. Kiefer Dritter war, sich jedoch heftigen Attacken von Marcel Wernicke ausgesetzt sah. Tatsächlich schaffte es Wernicke, den 65kg-Koloss von Müller in Turn 1 bzw. 2 zu knacken. Auch Tuchel versuchte sich nun als Panzerknacker, musste sich jedoch hinter Müller einsortieren, was wiederum T. Kiefer in Lauerstellung brachte.
In der letzten Runde kam es zum Showdown: Tuchel setzte sich sensationell auf der Außenbahn in Turn 12 gegen Müller durch, der im anschließenden Bergaufstück seinen Kilos weiter Tribut zollen und auch noch T. Kiefer passieren lassen musste. Weil Tuchel jedoch in Turn 14 etwas langsamer machte als Kiefer wollte, sah Müller seine Chance, Kiefer noch außen herum in Turn 15 zu überholen. Das ging aber schief, und Müller fuhr auf dem Gras hinter Tuchel und T. Kiefer über die Linie. Der Sieg ging an Marcel Tie vor Georg Kiefer, Marcel Wernicke, Norman Tuchel, Thomas Kiefer, Michael Müller, Patrich Vester und Frank te Wildt.

Gesamtwertung und Grid 2

Zum ersten Mal in der ESL Touring Car Championship wird der Gesamtsieg geteilt:
Die beiden Marcels Wernicke und Tie landen beide auf Rang 1 mit 386 Punkten. Auf P3 kommt Norman Tuchel (363). Aus Grid 2 schafften Steffen Sachs (284), Christopher Kalinowski (241) und Dennis Bräuninger (231) den Aufstieg. Die Nolimit-Siegesserie ist somit zur Hälfte beendet. Doch mit Sachs und Kainowski bekommt das Erfolgsteam nun wieder schnelle Verstärkung für das nächste Rennen in Brands Hatch am 02.11.2010.

Heiko Stritzke

paynt, Tuesday, 30/11/10 22:34
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Race 07 Fahrerwertung Touring Car Championship 2010 #2
Gesamtwertung, inkl. Auswertung
Infos & Details zur eTC '10/2
 
comments (4)
 
 
Schöner Bericht :)
Wie immer sensationeller Bericht! Gut Ding will eben Weile haben ^^ Wirklich Top!
Klasse Bericht!
Toller Bericht - Danke!
 
 
 
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