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Race On: Immer noch kein Limit in Sicht
Nach den ersten drei Rennen haben sich die neuen Verhältnisse in der ESL Touring Car Championship mittlerweile zum größten Teil herauskristallisiert. Die gesamte Szene wird beherrscht von Nolimit Motorsport, deren Dominanz so erdrückend ist, dass sie sogar auf gewisse Fahrer verzichten können, ohne dass es ihnen groß schadet.
Beim Rennen am Norisring fehlte ihnen Marcel Tie, der nach Disconnect in Hockenheim in Grid 2 sein Glück versuchte. Zusätzlich musste Michael Müller mit 60kg und Mathias Heisig mit 55kg antreten.

Gar nicht mehr dabei war Ronny Haehnel, der nach einem Ausfall im zweiten Rennen in Hockenheim das Handtuch warf und der Meisterschaft den Rücken gekehrt hat.

Ein Selbstläufer sollte das Rennen für Nolimit Motorsport aber trotzdem nicht werden. Im Qualifying machte vor allem Thomas Kiefer von der Scuderia Rapido klar, dass auch andere Teams in dieser Meisterschaft noch Anspruch auf den Sieg erheben. Lange Zeit sah der rote Volvo C30 sehr sicher auf der Pole Position aus, doch in den letzten Minuten wurden die Zeiten noch einmal ordentlich verbessert. Nach zwischenzeitlicher Bestzeit von Patrick Vester schlug Kiefer zwar sofort zurück, wurde jedoch nur wenige Sekunden später von Patrick Weyrich (Seat Leon TDI) wiederum entthront. Mit 55.085 sicherte sich der Pilot von Freshracing die Pole Position vor Thomas Kiefer (55.104) und Patrick Vester (55.127). Dahinter qualifizierten sich Marcel Wernicke, Henrik Stoldt, Tino Grausrock, Gregor Dördelmann und Frank te Wildt.
Wie nicht anders zu erwarten lag das gesamte Feld innerhalb von einer Sekunde.

Lauf 1

Überraschenderweise ging in der Grundigkehre beim Start zu Lauf 1 alles glatt. Weyrich konnte vor Kiefer die Führung übernehmen. Doch schon im Schöller-S kam das, was kommen musste:

Es krachte im vorderen Mittelfeld zwischen Henrik Stoldt und Tino Graurock, was beide ans Ende des Feldes zurückwarf. Ansonsten blieb die Disziplin jedoch bestehen und die übliche Grüppchenbildung fand schon in der absoluten Anfangsphase statt: Vorne versuchten sich Weyrich und T. Kiefer abzusetzen, mit etwas Abstand folgte das Duo Wernicke/Vester, dahinter wiederum mit kleinem Abstand eine Gruppe angeführt von Mathias Heisig mit Timo Wurbs, Frank Te Wildt, Georg Kiefer und Chris Giltjes. Wie knallharter, aber fairer Motorsport geboten werden kann, zeigten 55kg-Chauffeur Mathias Heisig und Timo Wurbs, die eine komplette Runde lang um die fünfte Position kämpften, ehe sich der Chevrolet-Pilot in HP Racing-Diensten durchsetzte. Später sollte er die Position jedoch wieder abgeben müssen.
Dies tat an der Spitze auch Patrick Weyrich und es war schnell klar, dass T. Kiefer im Renntrimm der schnellste Mann des Tages war, denn er setzte sich nach dem Überholmanöver in atemberaubendem Tempo ab. Patrick Vester setzte sich gegen Marcel Wernicke im Kampf um P3 durch und machte nun Jagd auf Weyrich. Unterdessen spielten sich in der Gruppe ab Wurbs die typischen Norisring-Szenen ab: Nahezu in jeder Kurve wurde überholt, eine Reihenfolge hatte meist nur bis zum nächsten Bremspunkt Bestand. Das spielte vor allem Tabellenführer Michael Müller in die Karten, der mit seinen 60kg auf dem Beifahrersitz nach desolatem Qualifying plötzlich in den Top 10 auftauchte. Zielsetzung: Platz 8 und damit die Pole für Lauf 2. Und tatsächlich taten ihm die Kollegen einen Gefallen nach dem anderen. Müller untermauerte wiedermal seinen Ruf als Rennfuchs, indem er die Positionen aufsammelte, die ihm von der Konkurrenz durch teils haarsträubende Manöver geschenkt wurden.
Während die Gangart sich in der Kampfgruppe immer härter wurde, machte Patrick Weyrich einen Fehler im letzten Sektor der 18. Runde und erlaubte seinem Namensvetter Vester auf der Zielgeraden auf gleiche Höhe zu ziehen. Souverän setzte sich der Nolimit-Pilot auf der Innenbahn in der Grundigkehre durch. T. Kiefer war für ihn jedoch nicht mehr einzuholen.
Und Michael Müller? Der hatte sich mittlerweile auf Rang 7 nach vorne geschlichen. Wurbs und Heisig waren der großen Gruppe enteilt, doch Müller hatte sein Soll bereits erfüllt. Den Sieg holte sich T. Kiefer vor Vester, Weyrich, Wernicke, Heisig, Wurbs, Müller und Gregor Dördelmann.


Lauf 2

Beim Start waren natürlich alle Augen auf Marcel Wernicke gerichtet, dessen BMW beim Start dank des Heckantriebs eigentlich am besten starten sollte. Der Spurt nach vorne blieb jedoch aus, aber Wernicke versuchte das, was ihm eigentlich als BMW-Fahrer am Start zustand, auf der Bremse aufzuarbeiten. Das Resultat war ein um mehrere Hundert Prozent erhöhtes Herzinfarktrisiko bei allen Zuschauern, als der BMW beim Anbremsen für die Grundigkehre quer auf den Scheitelpunkt der Kurve und die schon in der Kehre befindlichen Fahrzeuge zuraste.
Mit Glück, Fahrzeugbeherrschung und der Hilfe einer ganzen Armada von Schutzengeln ging die Aktion irgendwie gut, Wernicke war erstmal Dritter. Direkt in der nächsten Kurve versuchte Patrick Vester nach einem sehr guten Start ein ähnliches Manöver und holte sich mit der halsbrecherischen Aktion die Führung von Michael Müller. Das Glück aller Beteiligten war in der Dutzendteichkehre jedoch aufgebraucht: In einer Verkettung unglücklicher Ereignisse wurde Wernicke von Dördelmann gedreht, der dahinter abbremsende te Wildt bekam ebenfalls einen Schlag auf das Heck, was zu einer Show im BMW-Synchronkreiseln führte. Beide fielen weiter zurück. Die Zuschauer hatten die Situation noch nicht ausdiskutiert, da spielte sich eine Runde später an genau derselben Ecke das nächste Drama ab: Sascha Miesterfeld und Thomas Kiefer berührten sich, wodurch der Seat Toledo aus dem Rennstall Green Simracing zum Bremspunktgeschoss mutierte und Motorsport4all-Piloten Stefan Lowke abräumte. Beide fielen nach einer phantastischen ersten Runde, in der sie aus der Tiefe des Raumes auf die Plätze sechs und sieben gefahren waren, wieder ins hintere Mittelfeld zurück.
Nachdem sich der Staub aus der Schlacht der ersten beiden Umläufe gelichtet hatte, erbrachte die Bestandaufnahme folgende Reihenfolge: Patrick Vester vor Michael Müller, dann der erste Abriss.
Timo Wurbs auf P3 liegend im Clinch mit Mathias Heisig, dann Thomas Kiefer. Nachdem er erstmals in dieser Saison die erste Runde hinter sich gebracht hatte, ohne abgeräumt zu werden, machte sich der Toppilot von der Scuderia Rapido an die Arbeit. Die Lücke zu Wurbs und Heisig war nach 10 Runden geschlossen. An Heisig fand er jedoch zunächst keinen Weg vorbei, obwohl bei diesem Dank der Erfolgsballast-Zuladung die Reifen schneller abbauten als bei Wurbs, was es diesem wiederum erlaubte, sich davon zu schleichen.
Erst in der 15. Runde konnte T. Kiefer Heisig hinter sich lassen. Zu diesem Zeitpunkt war Wurbs schon um zwei Sekunden enteilt. Ein Verbremser brachte Michael Müller gegen Ende des Rennens dann in die Bredouille, denn Timo Wurbs konnte die schon für zu groß gehaltene Lücke auf einen Schlag schließen. Die Begeisterung angesichts der unverhofften Aussicht auf einen zweiten Platz wirkte sich bei Timo Wurbs jedoch kontraproduktiv aus. Ein zu spät gesetzter Bremspunkt für die Grundigkehre in Runde 20 warf ihn hinter T. Kiefer zurück, der somit eine Platzierung auf dem Podium sicher hatte. Sein Versuch, auch noch Müller zu überholen, ging jedoch schief: Er touchierte den 60kg-Volvo, was Müller in große Nöte brachte. Den so unsanft eroberten Platz gab T. Kiefer wenig später aus Fairnessgründen wieder ab, eine weitere Chance zum Angriff bot ihm der Meisterschaftsführende nicht.
Der Sieger hieß jedoch Patrick Vester, der mit dem Laufsieg auch seinen ersten Gesamtsieg in der ESL Touring Car Championship einfuhr. Auf P2 kam im zweiten Rennen Michael Müller vor Thomas Kiefer. P4 schnappte sich Patrick Weyrich vor Timo Wurbs, Mathias Heisig, Gregor Dördelmann und Georg Kiefer.

Gesamtwertung und Grid 2

Mit dem Gesamtsieg von Patrick Vester (395 Punkte) siegte zum dritten Mal in Folge ein Nolimit-Fahrer. Auf P2 kam Thomas Kiefer (388), gefolgt von Patrick Weyrich.
Aus Grid 2 schafften Marcel Tie (286), Norman Tuchel (239) und Markus Lang (220) den Aufstieg.
Das nächste Rennen der ESL Touring Car Championship findet am 18.11.2010 in Brünn statt.

Heiko Stritzke

paynt, Friday, 12/11/10 12:54
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Race 07 Fahrerwertung Touring Car Championship 2010 #2
Gesamtwertung, inkl. Auswertung
Infos & Details zur eTC '10/2
 
comments (4)
 
 
mal wieder ein echt klasse bericht von Heiko! :)
super Bericht!
1 edits
the one and only heiko stritzke!!
Geil Heiko - Danke!
 
 
 
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